mensmaximus Ihr IT-Supervisor

Kunden vertreiben leicht gemacht!

Endlich Freizeit! Endlich ein gemütlicher Schaufensterbummel durch die Stadt. Wer weiß, was man so findet. Raus aus dem Stress des Arbeitsalltags, das vielfältige Angebot genießen und sich die Zeit vertreiben. Haben Sie Lust? Dann begleiten Sie mich.

Schuhe!

Da ist ein Schuhladen! Mal sehen was diesen Sommer trendig ist. Kaum stehe ich vor dem Schaufenster wird die Scheibe wie von Geisterhand abgedunkelt und in der Mitte kommt ein Plakat zum Vorschein. Ich soll meine Adresse im Laden abgeben, damit ich per Post über neue Angebote informiert werde. Ich hätte aber lieber zuerst das aktuelle Angebot im Schaufenster gesehen, bevor ich noch mehr Werbung im Briefkasten habe. Ist nicht schlimm, drei Läden weiter ist der nächste Schuhladen.

Die Sportschuhe im Schaufenster sehen toll aus. Es gibt verschiedene Modelle, die je nach Farbe, Größe und Länge der Schnürsenkel unterschiedlich viel kosten. Im Laden erhält man weitere Informationen. Ich bin interessiert und betrete das Geschäft. Kaum habe ich den ersten Fuß über die Türschwelle gesetzt, springt mir eine Person von Links in den Weg, reißt die Arme hoch und hält mir ein Plakat von 80x130cm vor die Nase. So ähnlich wie die Herolde im Mittelalter, wenn sie Ihre Pergamentrollen unter Zuhilfenahme der Schwerkraft in Sekundenbruchteilen entrollten, um das Dekret des Königs zu verlesen. Da stehe ich also nun in Abwehrhaltung mit einem Plakat vor dem Gesicht, mein Puls ist deutlich erhöht und mein Adrenalinspiegel schreit förmlich nach Rache. Meine Neugier auf die Sportschuhe besiegt meinen Fluchtreflex und ich schiebe den Mitarbeiter freundlich aber bestimmt zur Seite. Wo geht’s in die Sportabteilung? Noch bevor ich mich orientieren kann entrollt sich eine Fahne von der Decke und verdeckt den einzigen Wegweiser. In neongrüner Schrift wird mir dort ein Jahresabonnement für Schuhputzmittel angeboten. Eigentlich wollte ich nur wissen was mich die Schuhe kosten. Wie praktisch, dass es noch andere Schuhläden in der Fußgängerzone gibt.

Noch mehr Schuhe!

Nach einem Fußmarsch von 10 Minuten hat sich meine Gemütslage wieder normalisiert. In einem Schaufenster entdecke ich dieselben Sportschuhe wie zuvor. Mit einer gewissen Vorsicht betrete ich den Laden, man kann ja nicht wissen was als nächstes passiert. Erfreulicherweise ist die Sportabteilung gut ausgeschildert und die verfügbaren Modelle der Sportschuhe stehen ordentlich im Regal. Mit Beschreibung und Preis. Toll! Ich bitte eine Mitarbeiterin mir das Modell meiner Wahl in meiner Größe zu bringen. Kaum ist sie verschwunden, kommt ein Kollege der Dame auf mich zu und bietet mir passend zu den Schuhen einen Jogginganzug an. Ich lehne dankend ab. „Sporthose?“. Danke, habe ich schon. „Tennisschläger?“. Ähhh, nein. „Sommerurlaub in Spanien?“. Was? Nein! Ich möchte nur meine Sportschuhe – bitte. Nun ist die Mitarbeiterin mit den Schuhen zurück und ich gehe zur Kasse. „Andere Kunden haben zusammen mit diesen Schuhen folgende Artikel gekauft …“ dröhnt es aus einem Lautsprecher als die Kassiererin die Schuhe scannt. Sie wartet und Ich frage warum. „Sie wollen keinen der Artikel, die andere Kunden zusammen mit …“ Nein! Nein! Und noch einmal Nein! Ich möchte zahlen! Sonst nichts. „Kennen Sie schon unsere hauseigene Kreditkarte? Wenn Sie mindestens dreimal pro Jahr in zwei unterschiedlichen Filialen einkaufen, erhalten Sie 50% Rabatt.“ Mir dreht sich alles im Kopf und ich höre mich stammeln: interessant, wo ist die zweite Filiale? „Wir haben nur eine Filiale“. Aus der Ferne höre ich eine Verkäuferin rufen „… aber Ihre Schuhe …“, als ich aus dem Geschäft fliehe.

Fiktion?

Natürlich ist das ein Horrorszenario, zumindest wenn wir über den Einzelhandel in unseren Städten sprechen. Es dürfte kaum jemanden geben, der so einkaufen will. Wir tun es aber im Internet. Kaum betritt man eine Webseite wird der Inhalt durch ein vollflächiges ‚Floating Ad‘ überdeckt und man begibt sich auf die Suche nach dem Knopf, der die nervige Werbung wieder schließt. Erhält man endlich einen freien Blick auf die Seite, schiebt sich sogleich die nächste Werbung von Oben, Unten oder der Seite in den Sichtbereich und verdeckt nicht selten das Navigationsmenü. Falls man es bis zum interessanten Teil des Angebotes schafft und ein wenig nach untern scrollt, nötigt einen ein Pop-Up zur Anmeldung zum Newsletter.

Man kann potentielle Käufer aber noch effizienter vertreiben. Inline Werbung in Blogbeiträgen unterbrechen den Lesefluss oder teilen den Beitrag auf mehrere Seiten auf, sodass man nicht selten anstatt auf der nächsten Seite beim Werbepartner landet. Gleiches gilt für Werbung zwischen Forenbeiträgen, die sich als vermeintlicher Fachbeitrag tarnt und zum Anklicken verführt. Ganz beliebt sind auch vollflächige Hintergrundwerbungen, die beim Arbeiten mit einem Tablet zur echten Herausforderung werden. Setzt man den Daumen beim Scrollen einmal zu fest auf, landet man auf einer Seite, auf die man eigentlich nicht wollte.

Kunden vertreiben

Es ist erstaunlich wie viele Anbieter ihre Besucher mit aller Gewalt vertreiben wollen. Oft höre ich das Wehklagen von Kunden über eine hohe Absprungrate auf Webseiten die Ihren Besuchern förmlich „Geh weg!“ zurufen. Darauf angesprochen stoße ich meistens auf Unverständnis, schließlich gäbe es ja genug Erhebungen über die Sinnhaftigkeit und die Erfolgsaussichten von Pop-Ups und Modalfenstern. Umsatzverdoppelung und hohe Konversionsraten gelten angeblich als nachgewiesen. Das diese Statistiken von Marketingunternehmen erstellt oder in Auftrag gegeben wurden, scheint dabei nicht von Belang. Auch das eigene Empfinden über solche Zwangseinblendungen, die völlig zu Recht auch als „Störer“ bezeichnet werden, scheint bei vielen Seitenbetreibern gestört zu sein. Selbst Google bestraft unter Umständen den Gebrauch dieser Techniken mit Rankingverlusten. Im Umkehrschluss kann unaufdringliche Werbung für Synergieeffekte genutzt werden und stört den Besucher nicht.

Komm herein und verweile

Das erste was ein Kaufmann in seiner Ausbildung lernt, ist Kunden zu bekommen und zu halten, nicht sie zu vertreiben. Erfolgreiche Unternehmer sprechen von Kundenbegeisterung und wissen, dass die Konkurrenz nur einen Klick entfernt ist. Sie liefern interessante Inhalte, bieten außergewöhnliche Leistungen und nehmen den Besucher an die Hand. Sie lenken potentielle Kunden nicht vom eignen Inhalt ab und erwirtschaften Gewinne mit eigenen Produkten anstatt ein paar Cent Provision für Werbung zu kassieren. Wenn Besucher ein Angebot interessant finden, melden sie sich auch dann zum Newsletter an, wenn ihnen das entsprechende Formular nicht sprichwörtlich ins Gesicht springt.

Mit WordPress lässt sich beides realisieren, gute und schlechte Webseiten. Eine Beratung im Vorfeld kann helfen viele Fehler zu vermeiden. Rufen Sie Ihren Besuchern zu „Komm herein und verweile“. Der mündige Verbraucher erkennt Mehrwert und ist bereit dafür zu bezahlen.